Vortrag & Diskussion im Erich-Zeigner-Haus: Der „fossil-elektrische Kapitalismus“: Brandbeschleuniger der Klimakatastrophe

Wann: Donnerstag, 15. Oktober 2026, 18–20 Uhr
Wo: Erich-Zeigner-Haus, Zschochersche Straße 21, 04229 Leipzig

Wer sich seit Jahren für eine sozial-ökologische Transformation des fossilen Kapitalismus engagiert, muss heute zur Kenntnis nehmen, dass wir von diesem Ziel möglicherweise weiter entfernt sind als noch vor einigen Jahrzehnten.

Eine neue Welle der Geopolitik hat die Phase des geoökonomischen Wettbewerbs (Globalisierung) abgelöst und befördert die Militarisierung von Politik und Wirtschaft. Heiße Kriege und alle Arten von „Quasi-Kriegen“ – um den Zugang zu strategischen Rohstoffen, um die Kontrolle wichtiger Preise und um die Herrschaft über globale Liefer- und Versorgungsketten (einschließlich der physischen Infrastrukturen, von denen diese abhängen) – sind zur „neuen Normalität“ geworden. Klima- und Umweltpolitik werden dadurch stillgestellt.

Als unzutreffend erweist sich aus heutiger Sicht die lange Zeit in der politischen Linken geteilte Annahme, dass der Ausbau erneuerbarer Energie mit einem Schrumpfen des fossilen Energiesystems einhergehen würde. Ob in Europa, den USA oder in anderen Teilen der Welt, überall wird in „Klimabomben“, d. h. die Exploration und die spätere Produktion von fossilen Energieträgern, investiert. Der fossile Kapitalismus wird durch den Zubau von Technologien zur Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energie lediglich ergänzt und gestützt. Veränderungen in der Energieversorgung gehen auch nicht mit weniger Ressourcenverbrauch, mit fortschreitender Regionalisierung und Dezentralisierung der Energieversorgung und vor allem nicht mit einer Verbreitung gelebter „Projekte einer solidarischen Ökonomie“ einher, so wie viele Menschen dies um die Jahrhundertwende noch gehofft haben.

Heute wird die zusätzliche Energie aus erneuerbaren Quellen in wachsendem Umfang vor allem dafür genutzt, alle möglichen Prozesse zu elektrifizieren und die Entwicklung und den Einsatz von digitalen „Dual-Use“-Technologien voranzutreiben, also solchen mit sowohl zivilem wie militärischem Nutzen. Doch der „fossil-elektrische Kapitalismus“ wirkt eher wie ein Brandbeschleuniger für die Klimakatastrophe, er kann nicht Teil einer Eindämmung derselben sein.

Zur Referentin

Birgit Mahnkopf lehrte als Professorin an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht Europäische Gesellschaftspolitik. Sie ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von attac Deutschland und im Kuratorium des Instituts Solidarische Moderne. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die ökonomischen, politischen und sozialen Dimensionen der Globalisierung sowie europäische und internationale Politik. Zudem befasst sie sich mit Arbeitssoziologie und industriellen Beziehungen sowie mit Bildungsökonomie und Bildungspolitik.

Veranstalter: Rosas Salon im Felsenkeller e. V., ADELE Sachsen & Sachsen im Klimawandel