Ein Stolperstein für Anna Schumann (1875-1935)

Seit Sommer 2025 recherchiert eine Jugendgruppe aus der Neuen Nikolaischule Leipzig die Biografie der ehemaligen Leipziger Stadträtin in der Weimarer Republik und politischen Gegnerin im Nationalsozialismus – Anna Schumann (1875-1935)
Anna Schumann wurde am 15. Juli 1875 in Delitzsch als Tochter von Georg und Anna Plath geboren. Anna besuchte bis zur fünften Klasse die Volksschule in Delitzsch, welche sie mit guten Leistungen abschloss. Da der Vater der Familie früh verstarb, musste Anna helfen für den Lebensunterhalt der Familie zu arbeiten. Sie fand eine Anstellung als Dienstmädchen, der sie bis zu ihrer Hochzeit im Alter von 20 Jahren mit Emil Schumann nachging. Emil Schumann war Glasergehilfe und kam wie Anna ebenfalls aus Delitzsch.
Im Jahr 1895 zog das Ehepaar nach Leipzig-Lindenau in die Hahnemannstraße 17. Laut eines persönlichen Dokuments hatte Anna 7 Kinder. Da Annas Mann viele Jahre arbeitslos war, musste sie, um ihre Kinder ernähren zu können, selbst arbeiten gehen. Anna Schumann betätigte sich politisch sowie gesellschaftlich. Sie besuchte Diskussionsabende für Frauen und schloss sich 1897 der SPD vor Ort an. Im Zuge der politischen Umbrüche trat sie zur KPD über. Von 1919 bis 1928 war sie zudem Stadtverordnete in Leipzig aktiv. Nach ihrem Austritt aus der KPD im Jahr 1928 schloss sie sich der KPO (Kommunistische Partei-Opposition) an. Auch in der Internationalen Arbeiterhilfe (IAH), einer KPD-nahen Organisation, die unter anderem Sozialleistungen für Arbeiter bereitstellten, war Anna von 1926 bis 1929 Mitglied.
Mit Beginn der nationalsozialistischen Diktatur geriet sie aufgrund ihres langjährigen Engagements in das Visier des Regimes. Vom 19. Mai bis zum 25. Juni 1934 wurde sie erstmals in „Schutzhaft“ genommen. Am Silvestertag desselben Jahres, erfolgte eine erneute Festnahme. Es folgte eine monatelange Untersuchungshaft. Vom 1. bis 4. Juli sowie am 6. Juli 1935 fand schließlich die Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Dresden statt.
Anna Schumann wurde wegen der angeblichen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren und vier Monaten sowie zu drei Jahren Eheaberkennung verurteilt. Zudem wurden den Angeklagten die Prozesskosten auferlegt.
Bereits kurz nach dem Urteil verschlechterte sich ihr gesundheitlicher Zustand im Zuchthaus Waldheim drastisch. Am 25. Juli 1935 wurde sie wegen starker Magenbeschwerden in das Anstaltskrankenhaus eingeliefert, wo die Ärzte Ödeme, eine Herzschwäche sowie Blutarmut feststellten. Am 19. August wurde die Einlieferung in das Staatskrankenhaus Waldheim verfügt und am Folgetag durchgeführt. Trotz der dortigen medizinischen Behandlung verstarb Anna Schumann wenige Tage später, am 23. August 1935, im Zuchthaus Waldheim.
Der Stolperstein für Anna Schumann wird im Frühjahr 2027 in Leipzig verlegt.