Ein Stolperstein für Paul Meinhardt

Seit Jahresbeginn 2025 beschäftigt sich eine Projektgruppe vom Kantgymnasium Leipzig mit dem Schicksal von Paul Meinhardt, der wegen seiner Zugehörigkeit zur verbotenen Bündischen Jugend sowie seiner Homosexualität von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurde.
Hans Hermann Paul Meinhardt wurde am 4. April 1920 in Leipzig geboren. Er wohnte gemeinsam mit seiner Mutter zur Untermiete in der Mahlmannstraße 9 in Leipzig. Die Mutter war dort wahrscheinlich als Haushaltsangestellte beschäftigt, Paul arbeitete als Markthelfer und Bote. Er war ein uneheliches Kind, sein Vater verstarb früh und er hatte keine weiteren Geschwister.
Paul war außerdem Mitglied der Bündischen Jugend. Diese Jugendbewegung war vor allem in der Weimarer Republik aktiv und lebte die Ideale von Freiheit und einem starken Bezug zur Natur. Im Nationalsozialismus war die Jugendorganisation verboten. Paul war in der „Gruppe Andreasplatz“ aktiv, die sich von 1936 bis 1939 im Geheimen traf. Der Andreasplatz heißt heute Alexis-Schumann-Platz und befindet sich direkt gegenüber von unserer Schule. Paul hatte außerdem eine sexuelle Beziehung zu einem anderen jungen Mann aus der Gruppe.
Am 10. Januar 1939 wurde Paul von der Geheimen Staatspolizei in Leipzig verhaftet und im November vom Sondergericht Freiberg zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten im Jugendgefängnis Hoheneck verurteilt. Die Gründe für die Verurteilung waren neben seiner Homosexualität auch das Widersetzen gegen das Verbot der Bündischen Jugend und das Lesen verbotener Bücher.
Nach seiner Entlassung im August 1940 wurde er direkt wieder in „Schutzhaft“ genommen und ins Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin gebracht. Im Lager wurde er wahrscheinlich krank. Am 23. Juni 1941 wurde Paul Meinhardt in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein „verlegt“ und wahrscheinlich noch am selben Tag in der Gaskammer im Anstaltskeller ermordet.
In den Dokumenten fanden wir einen gefälschten Todesschein. Dort stand, dass er in Sachsenhausen an Kreislaufversagen verstorben sei. Paul Meinhardt war jedoch ein Opfer der „Aktion 14f13“. Im Rahmen dieser Aktion wurden kranke und nicht mehr arbeitsfähige KZ-Häftlinge in der Tötungsanstalt Pirna ermordet.
Der Stein für Paul Meinhardt wird im Herbst 2026 verlegt.
