Ein Stolperstein für Karl Müller

Seit März 2025 beschäftigen sich 9 Jugendliche aus Rosswein mit der Biografie des jungen Mannes Karl Emil Müller aus Rosswein, der aufgrund von Behinderungen durch die Nationalsozialisten ermordet wurde. Die Projektgruppe trifft sich aller zwei Wochen immer freitags im Jugendhaus Rosswein.

Karl Emil Müller wurde am 05. Juni 1901 in Roßwein geboren. Er lebte mit seinen Eltern auf dem Werder 36 und hatte drei Geschwister: Richard, Kurt und Magda (spätere Voigt). Er litt an Epilepsie, welche sich schon in seinem Lebensjahr durch Krampfanfälle äußerte. Mit dem sechsten Lebensjahr hörten diese Anfälle auf. Zum gleichen Zeitpunkt wurde Karl Emil eingeschult. Er wechselte nach ein paar Jahren, nachdem er zweimal sitzen geblieben war, auf die Hilfsschule. Diese beendete er 1915.

Anschließend begann er eine Lehre zum Schmied, welche er jedoch nie beenden konnte, da sein Meister in den Heeresdienst im Ersten Weltkrieg einberufen wurde. Karl war daraufhin als ungelernter Arbeiter in der Metallwarenfabrik Roßwein für circa zwei Jahre beschäftigt. Anschließend arbeitete er in der Geschossfüllerei Zeithain. Nach Ende des Ersten Weltkriegs fand er Anstellung in der Metallwarenfabrik Bauch Roßwein (Standort: Gerbergasse 6). Später war er einige Monate in der Achsenfabrik tätig und unterstütze bis 1921 seinen Bruder Kurt in dessen Baugeschäft. Karl arbeitete anschließend in der chemischen Fabrik Graff in Roßwein.

Im Alter von 22 Jahren traten die epileptischen Anfälle bei Karl wieder in Erscheinung. 1927 ließ er sich deshalb selbst in der Nervenklinik Leipzig aufnehmen, in der er circa zwei Wochen untergebracht war. Dort erhielt er ein Zeugnis für die Invalidenrente.

Am 17.09.1929 wurde Karl das erste Mal in die Heil- und Pflegeanstalt Hochweitzschen eingewiesen. Zwei Monate später wurde er wieder entlassen mit dem Zusatz der Erwerbsunfähigkeit. Am 14.06.1939 wurde Karl Emil Müller erneut in Hochweitzschen eingewiesen. Dort erhielt er die Diagnose Epilepsie und „Schwachsinn“. Zusätzlich klagte Karl während seines Aufenthalts über rheumatische Beschwerden. Ärztinnen und Ärzte schätzten diese Anfälle als „selbstlebensgefährlich“ ein. In den Dokumenten finden sich außerdem Hinweise auf eine Sterilisation, wobei ein Zwang zu dieser nicht ausgeschlossen werden kann.

Seine Epilepsie äußerte sich durch Schmerzen in Brust-, Bauch- und Lendenmuskulatur, Zuckungen von Körperteilen (z.B. Armen) sowie ein beklemmendes Gefühl im Brustbereich. Häufig verlor er dabei das Bewusstsein. Anschließend plagten Karl oft Kopfschmerzen, besonders im Hinterkopf- und Augenbereich. Seine Anfälle traten unterschiedlich häufig auf, im Durchschnitt jedoch zwei- bis dreimal im Monat.

Karl Emil Müller galt zum Zeitpunkt seiner Aufnahme als mittelkräftig, gutmütig und ungefährlich. Mit fortlaufender Behandlung durch diverse Medikamente veränderte sich sein Wesen. Er galt nun als streitsüchtig und meist missgestimmt.

Am 2. August 1940 wurde Karl Emil Müller mit einem Sammeltransport von Hochweitzschen nach Pirna-Sonnenstein gebracht und dort am selben Tag durch Gas ermordet.

Der Stolperstein für Karl Müller wird voraussichtlich im Sommer 2026 in Rosswein verlegt.