Zehn Stolpersteine für die Familie Rosenstein

Seit März 2025 setzten sich acht Jugendliche aus der Rahn-Oberschule Leipzig mit dem Schicksal der jüdischen Familie Rosenstein auseinander und recherchieren ihre Verfolgungsgeschichte.
Chaim David Rosenstein wurde am 03.07.1988 in Szczucin, Polen geboren. Er war mit Michla Rosenstein verheiratet, die am 15.06.1890 ebenfalls dort geboren wurde. Hier bekamen sie zwei Söhne: Moritz Moses Rosenstein wurde am 25.02.1911 geboren, sein Bruder Gershon Rosenstein, genannt Görschi, kam am 21.08.1914 zur Welt. Gemeinsam mit ihren zwei Söhnen zogen sie später nach Deutschland und wohnten erst in Döbeln und dann in Oschatz in der Dresdner Straße 35. Dort wurden vier weitere Söhne geboren: Ruben, Leiser, Harry Herschel und Fischel.
Ruben Rosenstein wurde 02.02.1920 in Döbeln geboren und arbeitete später als Bäckergehilfe. Sein Bruder Leiser Rosenstein kam am 09.12.1922 in Oschatz zur Welt. Er war Tischlerlehrling. Harry Herschel Rosenstein wurde am 03.04.1924 in Oschatz geboren und erlernte später den Beruf des Schlossers – wie bereits sein älterer Bruder Gershon. Ihr jüngster Bruder, Fischel Rosenstein, wurde am 09.10.1929 ebenfalls in Oschatz geboren.
Chaim David Rosenstein verstarb bereits im Januar 1933. Nach dem Tod ihres Mannes zog Michla am 28.12.1933 gemeinsam mit ihren Kindern in den Ranstädter Steinweg 15 nach Leipzig.
Gershon heiratete am 23.03.1934 in Köthen seine Frau Sura Estera, geb. Zaba, die am 18.01.1913 in Warschau geboren wurde. Gemeinsam bekamen sie am 06.01.1935 in Köthen die Zwillingstöchter Liza und Ela.
Nur drei Jahre später wurden bei der sogenannten ,,Polenaktion“ am 28.10.1938 etwa 17.000 Jüdinnen und Juden mit polnischem Pass gewaltsam aus Deutschland nach Polen abgeschoben. Unter den 1.600 Juden aus Leipzig, die deportiert wurden, war auch die Familie Rosenstein.
Fischel wurde mit nur 9 Jahren zusammen mit seiner Mutter deportiert. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Seine Mutter wurde 1939 in das Warschauer Ghetto gebracht und 1942 ermordet.
Gershon und dessen Familie wurden ebenfalls im Zuge der „Polenaktion“ gewaltsam abgeschoben. Seine jüngeren Brüder Ruben und Leiser wurden vermutlich ein Jahr später in den Osten deportiert. Seitdem gelten Gershon, Sura, Liza und Ela sowie Ruben und Leiser als verschollen.
Harry Herschel wurde ebenfalls am 28.10.1938 nach Warschau abgeschoben und dort 1941 verhaftet. Am 05.08.1944 wurde er aus dem sogenannten „Judenlager“ des Leipziger Rüstungskonzerns HASAG im polnischen Skarżysko-Kamienna als „politischer Jude“ in das KZ Buchenwald eingeliefert. Von dort wurde er am 14.08.1944 in das Außenlager Schlieben überstellt und wenige Monate später, im November 1944, in das Außenlager Meuselwitz verlegt. Beide Außenlager wurden vom Rüstungskonzern HASAG betrieben.
Harry Herschel überlebte alle Arbeitslager und wanderte am 14.03.1948 in die USA nach Hartfort, Connecticut aus. Auch Moritz Moses überlebte die Zeit des Nationalsozialismus und lebte ab 1962 in Rechovot, Israel.
Die Stolpersteine für die Familie Rosenstein werden im Sommer 2026 verlegt.
