Ein Stolperstein für Adolf Froehlich

Gemeinsam mit 14 engagierten Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen der Oberschule Schkeuditz recherchiert der Erich-Zeigner-Haus e.V. in Rahmen von regelmäßigen Projekttreffen die Biografie und das Schicksal von Alfred Froehlich aus Schkeuditz.

Gustav Adolf Froehlich wurde am 30.06.1908 in Schkeuditz geboren. Seine Eltern waren Gustav Adolf
und Anna Angelica Froehlich. Er war das älteste von vier Kindern. Neben ihm bekamen die Eltern
noch zwei Mädchen und einen Jungen. Die Familie besaß eine Gärtnerei mit Wohnhaus in der Straße
Freirodaer Weg 21.
Gustav Adolf besuchte die Volksschule bis zur 8. Klasse und begab sich dann in eine Lehre zum
Gärtner im Betrieb seines Vaters. Im jungen Erwachsenenalter stellten er und die Familie erste
Verhaltensänderungen fest. Diese später als Schizophrenie diagnostizierten Wahnvorstellungen
wurden aber in den ersten Jahren nicht ärztlich beobachtet. Ab dem 24.07.1934 war er mit kurzen
Unterbrechungen Patient der Landesheilanstalt Altscherbitz.
Kurz nach seiner Aufnahme begann bereits das Verfahren zu seiner Unfruchtbarmachung.

Sein behandelnder Arzt in Altscherbitz hielt im amtsärztlichen Gutachten zur Unfruchbarmachung
fest:
Es handelt sich um eine hebephrene Form der Schizophrenie und somit, obwohl erbliche
Belastung hier nicht vorzuweisen war, um eine Erbkrankheit im Sinne des Gesetzes, die auf die
Nachkommen übertragen wird.
Die beantragte Sterilisation erfolgt mit dem Einverständnis des Patienten am 22.01.1935. Ob das von
Gustav Adolf gegebene Einverständnis freiwillig erteilt wurde, ist aus den Unterlagen nicht abzulesen.
Die in Altscherbitz geführte Krankenakte gibt auch Aufschluss über das Verhalten des Patienten. Die
Schizophrenie äußerte sich z.B. durch Wahnvorstellungen. So schreibt ein Mitarbeiter des
Krankenhauses, dass Gustav Adolf berichtet hätte, dass er mit Hindenburg gesprochen habe.
Weiterhin steht dort:
Dieser habe ihm damals unter Mordandrohung aufgezwungen, dass er viel mit
dem Fahrrad ganz schnell fahren sollte
[…und] dass er seinen Führerschein verbrennen sollte. […] Der
Führer verlange das mit dem Rad fahren jetzt auch von ihm
. In dem Bericht ist ebenfalls zu lesen, dass
er sich von seinen Mitpatienten bedroht fühlt, seine Familie ihn wohl ärgern würde und versucht
hätte, ihn umzubringen. Er selbst verhält sich wohl sehr streitlustig. Wir erfahren auch aus der Akte,
dass seine Mutter wohl sehr darunter gelitten hat und zeitweise versuchte, ihn aus der Klinik nach
Hause zu holen. So verbrachte er mindestens sechs Monate im Elternhaus, bis er wieder in der Klinik
aufgenommen werden musste.
Im Rahmen der Aktion T4 wurde er am 19.09.1940 mit einem Sammeltransport in die
Landesheilanstalt Brandenburg/Havel gebracht und dort zusammen mit 73 anderen Patienten aus
Altscherbitz ermordet.


Ein Foto von Adolf Froehlich im Ausmusterungsschein

Die Projektgruppe während einer Exkursion in die Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ Bernburg

Öffentliche Projektvorstellung zum Weihnachtsmarkt der Lessing Oberschule in Schkeuditz am 21.12.2023. Interessierte Bürger:innen konnten sich an diesem Tag über das Porjekt informieren, Fragen stellen sowie für das Projekt spenden.