Ein Stolperstein für Frida Ida Quaas

Seit Mai 2023 recherchieren 12 Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse des Freien Gymnasium Naunhof in regelmäßigen Projekttreffen immer am Freitagnachmitag das Schicksal von Ida Quaas aus Naunhof.

Frida Ida Quaas wurde am 27. Februar 1893 in Naunhof geboren. Dort lebte die ledige Frau gemeinsam mit ihrem Bruder Robert Quaas und dessen Familie in der Lange Straße 50. Ida erlernte den Beruf der Putzmacherin (Fertigung von Kopfbedeckungen und Hüten), vorwiegend half sie jedoch im Betrieb ihres Bruders, der Schuster war und eine eigene Werkstatt hatte. Aufgrund der Diagnose „Schizophrenie“ wurde Ida Quaas schon vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in der „Nervenklinik“ Leipzig behandelt. Am 22. Mai 1931 wurde sie in die Landesanstalt Hubertusburg verlegt. Ihr Bruder beantragte im Juli 1931 eine Beurlaubung seiner Schwester. Im September 1931 konnte ihr Bruder anschließend eine Entlassung erwirken, da er sie für fähig hielt, eigenständig bei ihrer Familie zu leben. Am 8. April 1932 kam sie jedoch zurück nach Hubertusburg, wo sie bis 1940 untergebracht war. Weitere Versuche der Familie eine Entlassung von Ida Quaas zu bewirken, wurden von der Anstaltsdirektion mit den Worten „Eine Entlassung ins freie Leben kommt nicht in Frage“ abgelehnt.

Am 18. April 1940 wurde Ida Quaas in die „Zwischenanstalt“ Zschadrass überführt und am 04. Juni 1940 in die Tötungsanstalt Brandenburg/Havel transportiert. Dort wurde sie noch am selben Tag ermordet. Um den Mord zu vertuschen, wurde die Familie über eine angebliche Verlegung nach „Süddeutschland“ informiert, wo sie vermeintlich an einer „Lungenentzündung“ starb. Außerdem bekamen ihre Angehörigen eine Urne mit Asche zugesandt. Es ist jedoch zu bezweifeln, dass es sich hierbei wirklich um die Asche von Ida Quaas handelte, da die Nationalsozialisten die Urnen häufig mit wahlloser Asche befüllten und versendeten.

Als NS-„Euthanasie“ bezeichnet man die Vernichtung von Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen sowie psychischen Erkrankungen. Betitelt wurde die systematische Ermordung als „Aktion T 4″, benannt nach der 1939 für den Massenmord eingerichteten Organisationszentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4. Bis 1941 fielen der „Aktion T 4″ mindestens 120 000 Menschen durch Vergasung, Erschießung und tödliche Injektionen zum Opfer. Die Akten aller Opfer der sogenannten „Aktion T4“ enden zumeist mit dem Eintrag „Heute in eine andere Anstalt verlegt“. Dies ist ein Synonym für den Transport in eine der sechs Tötungsanstalten. Auch der letzte Eintrag in den Akten von Ida Quaas beinhaltet diese Formulierung.

Krankenakte von Ida Quaas, letzter Eintrag am 04. Juni 1940: „Verlg. lt. minist. Anordnung in eine andere Anstalt“

Die Projektgruppe auf Exkursion in der Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ in Bernburg.