Ein Stolperstein für Frieda Baufeld

Schüler:innen der zwölften Klasse des Maria Merian Gymnasiums Schkeuditz werden sich ab April mit der Biografie von Frieda Baufeld beschäftigen.

Die Gruppe, die bereits im letzten Jahr Erfahrung im Rahmen des „Stille Helden“ Projekts zu Theodor Kranz hat sammeln können, wird in diesem Projekt anhand von Originaldokumenten die Biografie rekonstruieren du somit später die Inschrift des Stolpersteins anzufertigen.

Frieda Baufeld wurde am 15. April 1909 als Frieda Tomisch in Mangschütz (Polen) geboren. Sie kam als drittes Kind von Johann und Rosa Tomisch auf die Welt. Mit 15 Jahren wanderte sie von Polen nach Mitteldeutschland aus und arbeitete zuerst als Landarbeiterin und später als Hausfrau.

Am 31. Dezember 1933 heiratete sie den Maurer Kurt Baufeld in Glesien. Die beiden bekamen in den darauffolgenden Jahren zusammen zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter.

In einem später verfassten Ärztebrief wurde festgehalten, dass nach der Geburt des zweiten Kindes mutmaßlich Verhaltensänderungen bei Frieda Baufeld eintraten, die durch den Ehemann bemerkt wurden und die sich etwa in Schlaflosigkeit, nächtlicher Unruhe oder dem Hören von Stimmen äußerten. Diese Symptome, von denen im Ärztebrief die Rede ist, sollen nach einiger Zeit wieder verschwunden sein.

Nachdem es im Jahr 1936 zum erneuten Auftreten dieser Erscheinungen kam, wurde Frieda Baufeld in die Nervenklinik in Halle an der Saale gebracht. Sie war zu Beginn ihres Aufenthaltes in der Klinik sehr zurückhaltend und in sich gekehrt, aber nach einigen Tagen wurde sie immer verhaltensauffälliger, sie „tobte und schrie und schimpfte“. Inwiefern hier tatsächlich ein psychiatrisches Krankheitsbild vorgelegen haben könnte, kann aus heutiger Sicht nicht mit vollständiger Sicherheit gesagt werden. Dennoch wurde sie am 26. März 1936 „in ungeheiltem Zustande“ in die „Landesheilanstalt Altscherbitz“ eingewiesen.

Im April 1936 wurde eine „Unfruchtbarmachung“ für Frieda Baufeld beantragt. Am 20. Mai desselben Jahres wurde die Zwangssterilisierung beim Erbgesundheitsgericht in Halle an

der Saale beschlossen und dann binnen weniger Tage durchgeführt. Ihr psychischer Zustand hat sich danach nicht verändert, sodass sie am 19. Juli 1936 zunächst wieder nach Hause zurückkehren konnte.

Nachdem man Frieda Baufeld am 19. Juli 1936 nach Hause beurlaubt hatte, wurde sie am 25. September 1936 ein weiteres Mal in die „Landesheilanstalt Altscherbitz“ eingewiesen – anscheinend, weil ihre psychisch bedingten Symptome erneut auftraten. Nach einer zweiten Phase der Beurlaubung kehrte Frieda Baufeld am 08. Mai 1940 ein drittes Mal in die „Landesheilanstalt Altscherbitz“ zurück, wo sie bis zu ihrem Tod am 29. April 1942 verblieb. Als offizielle Todesursachen wurden eine Schizophrenie und eine Lungentuberkulose vermerkt. Es muss jedoch angezweifelt werden, dass die zuvor körperlich völlig gesunde Frieda Baufeld tatsächlich aus diesen Gründen verstarb. Die Nationalsozialist*innen gaben oft falsche Todesumstände zur Verschleierung der sogenannten „Krankenmorde“ an. Die Beerdigung Frieda Baufelds fand am 04. Mai 1942 um 12:30 Uhr auf dem Anstaltsfriedhof statt.

Wir laden Sie herzlich zu der Stolpersteinverlegung am 4. November 2021 um 9 Uhr in der Karl-Liebknecht-Straße 12, 04435 Schkeuditz OT Glesien, ein.

 

Das Projekt wird gefördert vom Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ durch den Freistaat Sachsen

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