Ein Stolperstein für Paul Weise

Im Frühjahr 2020 begann ein neues Stolpersteinprojekt zusammen mit dem Flexiblen Jugendmanagement  in der Stadt Geithain.
Die Jugendlichen der Paul-Guenther-Schule in Geithain befassten sich dabei intensiv mit dem Schicksal von Paul Weise, der unter dem NS-Regime aus politischen Gründen verfolgt worden war.
Im Laufe mehrerer Monate bearbeiteten und analysierten die Schüler*innen Originaldokumente aus verschiedenen Archiven zur Rekonstruktion der Biografie von Paul Weise. Diese braucht es später nicht nur zum genaueren Verständnis seiner Verfolgungsgeschichte, sondern letztlich auch zur Erstellung der Inschrift für die Messing-Tafel, die später auf dem Stolperstein zu sehen sein wird. Darüber hinaus ist die Biografie elementarer Bestandteil des Informationsflyers, den die Jugendlichen zur späteren Spendensammlung  erstellen – denn die Stolpersteine werden seit jeher auschließlich über Spenden finanziert.
Im Rahmen des Projektes lernten die Schüler*innen auch mehr über die Lokalgeschichte von Geithain (speziell in der NS-Zeit), um einen besseren Einblick in das Projekt zu erlangen.
Durch dieses Projekt konnte ein weiterer wichtiger Beitrag zu Erinnerungskultur im Leipziger Umland geleistet werden.
Abgeschlossen wurde das Projekt durch die Verlegung des Stolpersteins für Paul Weise am 19. April 2021.

Das Schicksal von Paul Weise

Paul Hermann Weise wurde am 25.09.1894 in Geithain geboren. Er entstammte einer Arbeiterfamilie und besaß die deutsche Staatsbürgerschaft. Seine Mutter war Klara Anna Weise (geb. Nitzsche) und war von Beruf Hausfrau. Sein Vater, Paul Hermann Weise, war Fabrikleiter und Mitglied in der USPD. Paul hatte sieben Geschwister: Elsa Claus (geb. Weise) sowie Kurt, Otto, Willy, Reinhard, Walter und Alfred Weise.

Im August 1920 heiratete er Paula Zimmermann und bekam 1921 mit ihr eine Tochter, die sie Gertrud nannten. Im Haushalt der Familie lebte außerdem noch Elfriede Hansen, die Stieftochter Paul Weises.

Nach acht Klassen des Volksschulunterrichts in Geithain absolvierte Paul Weise drei weitere Klassen an einer Fortbildungsschule, ehe er die Kreisparteischule in Hartmannsdorf besuchte. Er arbeitete danach vornehmlich als Ziegeleiarbeiter, engagierte sich jedoch gleichermaßen in der Politik. Vor 1945 war er zuerst Mitglied in der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands), in der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) und in der KPD (Kommunistische Partei Deutschlands). Nach 1945 engagierte er sich weiterhin politisch innerhalb der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) und unter anderem im FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund). Im Rahmen seiner politischen Laufbahn nahm er zudem zahlreiche Funktionen ein – so war er z.B. von 1945 bis 1946 der 1. Bürgermeister in Geithain.

Während der nationalsozialistischen Diktatur wurde Paul Weise aufgrund seiner politischen Einstellung verfolgt, inhaftiert und gefoltert. Am 24.07.1933 wurde er wegen „illegaler Betätigung“ verhaftet und ins KZ Colditz gebracht. Von dort aus kam er am 20.08.1933 in das Amtsgerichtsgefängnis nach Colditz.
Nach nur ca. einem Monat des Aufenthaltes wurde er ins Landesgerichtsgefängnis nach Freiberg verlegt, wo er vom Sondergericht des Landes Sachsen wegen eines „Verbrechen gegen das Sprengstoffgesetz“ zu einer Haftstrafe von 2 ¼ Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, welche er in Waldheim und Zwickau verbrachte. Im Dezember 1935 wurde er in das Konzentrationslager nach Sachsenburg überführt, in dem er bis Ende August 1936 inhaftiert war. Nach acht Jahren ohne Haft, aber unter dauernder Polizeiaufsicht, wurde er im Rahmen der „Aktion Gitter“ verhaftet und am 20.08.1944 in das KZ Sachsenhausen deportiert. Am 14.12.1944 endete seine Haft und er kehrte nach Geithain zurück.

Aufgrund seines anhaltenden Engagements in der Politik bekam Paul Weise zahlreiche Auszeichnungen und Anerkennungen. In der DDR wurde ihm beispielsweise die Verdienstmedaille überreicht. Zudem erhielt er eine Ehrung durch den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze und die Medaille als „Kämpfer gegen den Faschismus“.

Paul Weise ging nach fortlaufender Arbeit als Rohrleger und Landarbeiter 1961 in Rente. Er wohnte bis 1946 in der Richard Höferstraße 2, der heutigen Eisenbahnstraße 2. In seinem letzten Lebensjahr zog er aus Gründen der Pflege bei seiner Tochter Gertrud einzog. Er verstarb am 19.10.1983.

Stolpersteinverlegung am 19. April 2021

Die Verlegung des Stolpersteines fand am 19. April 2021 um 11.30 Uhr in der Eisenbahnstraße 1b in Geithain statt.
Auch die Tochter von Paul Weise wohnte der Veranstaltung bei.

Wir bedanken uns auch im Namen der Schüler:innen ganz herzlich bei allen, die das Projekt unterstützt, begleitet und der Verlegung des Stolpersteins beigewohnt haben.

Materialien für die Projektarbeit: 

Arbeitsblatt zum Thema Stolpersteine.pdf
Arbeitsblatt zum Thema Zuchthaus.pdf
Input – Das politische Geschehen in Deutschland 1933-1945 Teil 1 und Lernstandanalyse
KZ Colditz Arbeitsblatt.pdf
KZ Sachsenburg.pdf
KZ Sachsenhausen Arbeitsblatt.pdf

Dieses Projekt steht in einer gemeinsamen Kooperation mit dem Flexiblen Jugendmanagement.