Stolpersteine für Dora und Walter Baunack

Nachdem der Erich-Zeigner-Haus e.V. in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Stolpersteine in Zusammenarbeit mit der Werner-Seelenbilder-Oberschule aus Bad Lausick verlegen und in diesem Zuge mehreren verschiedenen Opfergruppen (Juden/Jüdinnen, Sozialdemokrat*innen, Zeug*innen Jehovas, Opfer der NS-Euthanasie) der NS-Zeit gedenken konnte, soll nun im Herbst 2020 einer weiteren Opfergruppe gedacht werden. Mit der Verlegung zweier Stolpersteine für Dora und Walter Baunack soll daran erinnert werden, dass auch Kommunist*innen in der Zeit der Nationalsozialismus verfolgt wurden.

Walter Erich Otto Baunack wurde am 18.02.1905 als Sohn des Schneiders und Gastwirts Friedrich Otto Baunack und dessen Frau, Emma Maria Baunack (geb. Junghans), in Leipzig geboren. Er hatte einen Bruder und eine Schwester und besuchte zunächst in Leipzig und Bad Lausick die Volksschule/mittlere Bürgerschule, ehe er seine Handwerkslehre zum Mechaniker in Bad Lausick begann. Sein politisches Engagement begann bereits 1923, als Walter Baunack eine Ortgruppe des kommunistischen Jugendverbandes gründete und kurz darauf in die KPD eintrat. Im Laufe der weiteren Jahre engagierte sich Walter Baunack verstärkt für die kommunistische Partei, ehe er aufgrund seiner anhaltenden politischen Aktivität mehrfach verhaftet wurde und letztlich in die „frühen“ KZ-Lager in Colditz und Sachsenburg überführt wurde. Während der gesamten Zeit der faschistischen Diktatur stand ihm seine Frau Gertrud Dora Baunack (geb. Müller), die er 1936 heiratete, unterstützend zur Seite. Sie wurde am 29.10.1907 in Bad Lausick geboren, war Mitglied der KPD und durchgehend politisch aktiv, was 1933 ebenfalls zu einer Verhaftung und einer anschließenden 14-monatigen Schutzhaft führte. Obwohl Walter und Dora mehrfach verhaftet, verfolgt und sanktioniert wurden, arbeiteten beide ununterbrochen illegal für ihre Partei (KPD) weiter und setzten sich für das Ende des nationalsozialistischen Regimes ein. Nach dem Krieg wurden sie als „Opfer des Faschismus“ sowie als „Kämpfer gegen den Faschismus“ anerkannt. Nachdem das Ehepaar zusammen mit seinen beiden Kindern, Karla und Klaus Peter, eine Zeit lang in Glashütte bei Dresden gelebt hatte, zog sie letztlich wieder nach Bad Lausick zurück, wo sie in der Straße des 9. Mai, heutige Fabianstraße, Nr. 10 lebten.

       

Die Recherche zum Schicksal von Dora und Walter Baunack begann bereits im zu Beginn des Schuljahres 2019/2020 im Herbst und soll nun im Herbst 2020 zum Abschluss kommen. Seit Beginn des Projektes konnte die Projektgruppe, bestehend aus 15 Schüler*innen der 10. Klassenstufe, bereits eine Exkursion ins Leipziger Staatsarchiv unternehmen und originale NS-Akten aus dem Leipziger sowie aus dem Dresdner Staatsarchiv einsehen, die von der Verfolgung des Ehepaars Baunack berichteten. Im Rahmen der Projekttreffen an der Schule lernten die Jugendlichen zudem mehr über politische Verfolgungen unter dem nationalsozialistischen Regime. Eine zweite Exkursion unternahmen die Schüler*innen zum Südfriedhof, wo sie die Gedenkstätten der Widerstandskämpfer*innen gezeigt bekamen.

Nachdem die Recherchephase des Projektes nun erfolgreich abgeschlossen werden konnte, gehen die Schüler*innen in den kommenden Wochen mit ihrem eigens gestalteten Projektflyer auf Spendensammlung, damit die Stolpersteine für das Ehepaar Baunack angefertigt und im Herbst verlegt werden können.

Die Verlegung des Stolpersteins findet in der Fabianstraße 10 statt, der genaue Termin wird rechtzeitig auf der Homepage bekannt gegeben.

 

Materialien für die Projektarbeit:

Arbeitsblatt zum Thema Stolpersteine.pdf

 

Das Projekt wird gefördert von der F.C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz.