Fünf Stolpersteine für Familie Sternreich und Frau Flade

Die Schülerinnen und Schüler des Wiprechts-Gymnasium Groitzsch haben gemeinsam mit 10 Konfirmand*innen zu der Familie Sternreich und Frau Flade recherchiert.

In einer gemeinsamen Zusammenarbeit mit der Ev. Kirchgemeinde Pegau, konnten wir dieses Projekt umsetzen.
Aller zwei Wochen haben wir uns mit den Jugendlichen aus dem Gymnasium in Groitzsch getroffen und Dokumente aus verschiedenen Archiven, wie z.B. dem Staatsarchiv Leipzig analysiert, oder Online im Gedenkbuch des Bundesarchives nach Anhaltspunkten zu der Familie Sternreich gesucht, um wichtige Informationen über das Schicksal der Verfolgten zu erhalten.
Über Frau Reiprich, die Gemeindepädagogin  der Kirchgemeinde Pegau, erhielten wir außerdem weitere wichtige Dokumente, die sie freundlicherweise aus einer vorherigen Recherche zur Verfügung gestellt hat.
Im vergangenen Schuljahr haben wir eine Exkursion auf den jüdischen Friedhof nach Leipzig unternommen. In der nächsten Zeit wollen wir gerne gemeinsam mit den Jugendlichen ein Zeitzeugengespräch durchführen, um einen noch besseren Einblick zu den Personen zu bekommen.

Die Konfirmand*innen der evangelischen Kirchgemeinde haben sich im Zeitraum von Oktober bis November 2019 unter Anleitung der Gemeindepädagogin Frau Reiprich mit dem Schicksal von Ilse Charlotte Flade auseinandergesetzt. Im Rahmen der Sonderausstellung „Bruchstücke 38“, die bis zum Februar 2020 im Pegauer Heimatmuseum zu besichtigen war, haben sie ihre Rechercheergebnisse vorgestellt.

Die Stolpersteinverlegung für Familie Sternreich und Frau Flade findet im Herbst 2020 statt.

 

Das Schicksal der Familie Sternreich

Wilhelm Victor Sternreich, geb. am 8. Mai 1893 in Borzecin (Galizien), lebte seit 1916 in Pegau und arbeitete als Händler. Seine Ehefrau Selma Sara, geb. Blonder, wurde am 22.10. 1896 in Sczepanow (Galizien) geboren. Die beiden lebten 1920 in der Schlossstraße 38 in Pegau, wo auch ihr Sohn Georg am 13.08.1920 zur Welt kam, ehe vier Jahre später, am 05.04.1924, ihr zweiter Sohn Leo (Leon) geboren wurde. Zu dieser Zeit lebte die Familie in Pegau am Kirch-platz 11. Die Familie war Mitglied der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.

Im Oktober 1938 wurde die Familie im Zuge der Polenaktion nach Polen deportiert. Im November 1938 befand sich die Familie in Krakau, dort war sie auf die Unterstützung und Wohltätigkeit einiger Bekannter und der Wohlfahrtsabteilung der jüdischen Kultusgemeinde Krakau angewiesen.

Wilhelm Victor durfte noch einmal nach Pegau zurückkehren und kam daher am 17. April 1939 nach Deutschland, um seinen Haushalt aufzulösen und einiges Mobiliar mitzunehmen. Er kehrte Ende Mai 1939 wieder nach Krakau zurück. Im August 1940 musste die Familie die Stadt Krakau infolge einer „Aussiedlungsaktion“ verlassen und kam in das jüdische Viertel nach Brzesko, das spätere Ghetto. Selma Sara bat in dieser Zeit weiterhin vergeblich um lebensnotwendige Gelder ihres „Sonderkontos“. Über das weitere Schicksal der Familie Sternreichs ist nichts bekannt. Wilhelm Victor gilt als umgekommen, während Selma Sara und ihr Sohn Leo als verschollen gelten. Das Schicksal von Georg Sternreich ist nach seiner Deportation nach Polen ebenso ungewiss. Es ist davon auszugehen, dass es keine Nachkommen dieses Familienzweiges gibt.

 

Das Schicksal von Frau Flade

Ilse Charlotte Flade, geb. Arnholz, wurde am 06.06.1891 in Küstrin geboren. Sie lebte u.a. in Bautzen und Dresden und war auch ev.-luth. getauft. Ihr Ehemann war nicht-jüdisch. Sie stand auf einer Liste, die zeigt, dass sie in einer privile-gierten Mischehe lebte. Ilse Charlotte Flade versuchte nach Dessau zu ziehen, wo ihre verheiratete Tochter lebte. Doch die Stadt lehnte den Zuzug ab. Am 01.05.1942 konnte sie von Rose Landsberg in Pegau aufgenommen werden. Dort lebte sie fortan in der damaligen Adolf-Hitler-Straße 24, heute Breitstraße 24. Am 12.01.1944 wurde Ilse Charlotte Flade vor Ort von der Gestapo abgeholt und ins Sammella-ger nach Leipzig gebracht. Am 13. Januar 1944 wurde sie von Leipzig nach Theresienstadt deportiert und mit 53 Jah-ren am 27.09.1944 dort ermordet.

Die Konfirmand*innen der evangelischen Kirchgemeinde Pegau und Groitzsch

 

 

Das Projekt wird gefördert von der F.C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Toleranz.