Ein Stolperstein für Anna Elfriede Reichardt

Gemeinsam mit den Schüler*innen  des Wiprecht-Gymnasiums in Groitzsch begannen wir 2018 mit einem Stolpersteinprojekt zu der Jüdin Anna Reichardt. Die Jugendlichen der damals neunten Klasse recherchierten ausführlich und konnten somit eine Biografie der deportierten Jüdin erstellen.

Nachdem wir Stadtrat und Hauseigentümer über die Projektgruppe, die Rechercheergebnisse und unser Vorhaben informierten, lehnte der Stadtrat und der Hauseigentümer die Stolpersteinverlegung vor dem Haus ab und das Projekt zur Erstverlegung eines Stolpersteins in Groitzsch drohte zu scheitern. Einzig aufgrund großen öffentlichen Drucks durch bundesweite Medien wurde dieser erinnerungspolitische Skandal zurückgenommen.

Nun entschied sich der Stadtrat im November 2019 um und genehmigte die Verlegung. Aus diesem Grund konnten die Jugendlichen nun doch noch an ihrem Projekt weiterarbeiten und mittlerweile bereits einen Flyer zum Stolpersteinprojekt und dem Schicksal der Anna Reichardt erstellen. Mit diesem selbsterstellen Flyer gehen die Schüler*innen aktuell Spenden sammeln, um den Gedenkstein für die verfolgte Jüdin finanzieren und vor ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Leipziger Straße in Groitzsch verlegen lassen zu können.

Die Verlegung des ersten Groitzscher Stolpersteins findet am 27. Februar 2020 um 15.45 Uhr  in der Leipziger Straße 28 in Groitzsch statt, wo Anna Reichardt einst lebte.

Das Schicksal von Anna Elfriede Reichardt

Anna Elfriede Reichardt, geb. Schall wurde am 27. November 1878 in Leipzig geboren. Sie lebte in der Leipziger Straße 28 in der Kleinstadt Groitzsch. Am 10. Mai 1942 wurde sie in das polnische Ghetto Bełżyce deportiert. Den mit „DA 72“ gekennzeichneten, „vergessenen Transport“ nach Bełżyce überlebten nur wenige, die Verschleppten selbst gelten offiziell als „verschollen“.

 

Das Projekt wird gefördert von der F.C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz.