Ein Stolperstein für Arthur Alfred Kieschnick

Seit Beginn des Jahres 2019/2020 beschäftigten sich 18 Schüler und Schülerinnen der 9. Klasse des Freien Gymnasiums Naunhof mit Arthur Alfred Kieschnick, einem Opfer der NS-Euthanasie aus Naunhof. Im Rahmen regelmäßiger Projekttreffen, die alle zwei Wochen stattfanden, haben die Jugendlichen die Biografie des Arthur Kieschnick ausführlich recherchiert. Im weiteren Verlauf der Projektarbeit erhielten die Schülerinnen und Schüler zudem eine theoretische Einführungen in die Geschichte der NS-Euthanasie und unternahmen eine Exkursion in das Leipziger Staatsarchiv, wo sie wichtige Einblicke in das Archivwesen erhielten und erstmalig mit originalen Akten aus der NS-Zeit in Kontakt kamen, die essentiell für die Rekonstruktion der indivuellen Biografie Arthur Alfred Kieschnicks waren. Ein besonderes Element des Jugendprojektes war überdies die Teilnahme der Jugendlichen an einem Zeitzeugengespräch.

Die Verlegung des ersten Stolpersteins für Euthanasie-Opfer aus Naunhof findet am 27. Februar 2020 um 14.00 Uhr in der Gartenstraße 17, dem zuletzt frei gewählten Wohnort Kieschnicks, in Naunhof statt.

 

Das Schicksal von Arthur Alfred Kieschnick

Arthur Alfred Kieschnick wurde am 08. Februar 1907 in Naunhof, Kreis Grimma, geboren und lebte dort in der Gartenstraße 17. Seine Eltern waren Johann Karl Kieschnick, der als Laternenwärter und Maurer tätig war, und Ida Kieschick, geb. Schückel. Arthur hatte drei Schwestern: Elsa Olbrich, geb. Kieschnick (21.09.1892), Martha Pflüger, geb. Kieschnick (30.01.1894), und Gertrud Mahlo, geb. Kieschnick (28.06.1899). Arthur A. Kieschnick war evangelisch-lutherisch getauft, ledig und sein Leben lang arbeitslos. Am 14.04.1914 kam der damals Siebenjährige in die Landesanstalt Chemnitz-Altendorf, wo er aufgrund seiner schlechten schulischen Leistungen jedoch als „bildungsunfähig“ eingestuft wurde.

Mit 11 Jahren, am 28.03.1918, wurde er in die Anstalt Großhennersdorf eingewiesen. Dort blieb er bis zum 13.01.1922, bevor er nach Hubertusburg verlegt wurde. Nach seinem Aufenthalt in Hubertusburg wurde Arthur am 23.04.1929 in die Bezirksanstalt Grimma eingewiesen, wo er am 28.09.1934 die Diagnose „angeborenen Schwachsinn/Idiotie“ durch den Amtsarzt erhielt. Am 08.09.1936 wurde er zurück in die Landesanstalt Hubertusburg verlegt, wo am 25.02.1937 ein Antrag auf Sterilisation zunächst von Dr. E. Zeil gestellt und letztlich durch den Anstaltsleiter Dr. Krekeler bewilligt wurde.

Die Unfruchtbarmachung Arthur Kieschnicks wurde mit Bezugnahme auf das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ am 07.05. des gleichen Jahres angeordnet und am 03.07.1937 durch seine Sterilisation vollzogen. Fünf Tage später wurde er vom Amtsarzt des Erbgesundheitsgerichts Oschatz als „geheilt“ entlassen. Am 23.05.1939 wurde Arthur Kieschnick als „wehrmachtsuntauglich“ klassifiziert. Nicht bekannt ist, wann er in die „Heil- und Pflegeanstalt“ Waldheim deportiert wurde, doch er verstarb an diesem Ort am 11.06.1940 um 18 Uhr. Als offizielle Sterbeursache nannte der behandelnde Arzt Dr. Wischer eine Herzschwäche bei beginnender Lungenentzündung. Da Kieschnick jedoch zuvor körperlich gesund war, ist bei dieser offiziellen Todesursache von einer falschen Diagnose auszugehen. Die Nationalsozialisten gaben oft falsche Todesumstände zur Verschleierung der sogenannten „Krankenmorde“ an. Die Beerdigung fand am 15.06.1940 auf dem städtischen Friedhof in Waldheim statt.

Das Projekt wird gefördert vom Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“.