Ein Stolperstein für Ernst Hönig

Seit Beginn des Schuljahres 2018/2019 recherchierten Schülerinnen und Schüler der Oberschule Werner-Seelenbinder zu dem Schicksal von Ernst Bruno Hönig. Dieser fiel in der NS-Zeit der Euthanasie zum Opfer. Nach einer Recherche von mehreren Monaten gingen die Schüler*innen auf Spendensammlung, damit der Stolperstein für Ernst Hönig finanziert werden kann.

Die Stolpersteinverlegung fand am 12. Mai 2019 15:30 Uhr in der Angerstraße 17 in Bad Lausick statt. Wir danken an dieser Stelle den Schüler*innen der Projektgruppe, der Oberschule Werner Seelenbinder, den Spender*innen, allen anderen Unterstützer*innen und all jenen, die bei der Verlegung anwesend waren. Besonders danken wir außerdem der F.C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz für die finanzielle Förderung des Projektes.

Die Projektgruppe bei der Recherche

 

Das Schicksal von Ernst Hönig

Bruno Ernst Hönig wurde am 21.07.1907 in Bad Lausick geboren. Er lebte in der Angerstraße 17 mit seinen Eltern in Bad Lausick, hatte 5 Brüder und 4 Schwestern und war das jüngste Kind von Bruno und Anna Hönig, geborene Scheere. Sein Vater war Schuhmacher und Fabrikarbeiter. Ernst Hönig besuchte die Volks- und Fortbildungsschule in Bad Lausick. Nach seiner Schulentlassung war er bei verschiedenen Bauern als Landarbeiter beschäftigt, dann arbeitete er als Tiefbauarbeiter. 1926 erstmals mit der politischen Bewegung in Berührung gekommen, trat er im selben Jahr dem „Roten Jungsturm“ bei, einer Unterabteilung des „Roten Frontkämpferbundes“. Hönig war aktiver Sportler beim „Rot Sport“ und beim „Arbeiter-Radfahrerbund“. 1929 trat er der KPD aus seiner innersten Überzeugung bei. Er hat sich voll und ganz für die Ziele der KPD eingesetzt und entsprechende Aufgaben und Funktionen übernommen, aus eigener Angabe „ohne Rücksicht auf persönliche Belange“. Er hatte deshalb oft keine Arbeit, denn „politisch Missliebige wurden als erstes auf die Straße gesetzt“. 1933 wurde er bei der letzten Stadtverordnetenwahl vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten als Stadtverordneter in Bad Lausick gewählt.

Nach seiner Entlassung und mit der Machtübernahme wurde er täglich von den Nazis verfolgt und beobachtet. Am 26. März 1933 wurde er mit einer Gruppe anderer Antifaschisten aus Bad Lausick auf offener Straße verhaftet, von SA und SS Männern blutig geschlagen und mehr als sechs Mal misshandelt. Dadurch befand er sich in einem sehr schlechten Zustand. Von März bis Mai des Jahres 1933 wurde er in Leipzig in sogenannte „Schutzhaft“ genommen. Ende des Jahres, am 03.11.1933, brachte man ihn in die  Nervenklinik in Leipzig. Am 23.01.1934 wurde er in die „Landesheil- und Pflegeanstalt“ Hubertusburg eingewiesen, in der man ihm „Schizophrenie“ diagnostizierte. 1934 wurde Ernst Hennig zu 5 Wochen Haftstrafe verurteilt, weil ihm die Veröffentlichung einer Schrift mit strafbarem Inhalt vorgeworfen wurde. Im Herbst 1934 erlitt er einen Nervenzusammenbruch, Grund dafür war seine mehrfache Erfahrung von Misshandlungen seit seiner Verhaftung.

Gegen seinen Willen wurde er in Hubertusburg am 21.03.1936 zwangssterilisiert auf Grundlage des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14.07.1933. Schon 1935 wurde der Beschluss zur Sterilisation gefasst. Sein Pfleger Richard Kilian wollte dies noch verhindern, da er glaubte, sein Patient könne auch so genesen, doch seine Beschwerde wurde abgelehnt. Auch seine Familie beschwerte sich, doch auch dieser Versuch sollte erfolglos bleiben. Nach der Sterilisierung war er zwei Jahre lang „mit den Nerven vollkommen herunter“, wie er in seinem Lebenslauf mitteilt. Am 28. März 1936 wurde er aus der Anstalt entlassen. Wieder in Bad Lausick zurück, arbeitete er als Ratsarbeiter, bevor er 1944 für 10 Wochen in das KZ Sachsenhausen gebracht wurde aufgrund der„Aktion Goerdeler“. Nach Ende des Krieges wurde Ernst Hönig 1946 als Opfer des Faschismus und um 1950 als Verfolgter des Naziregimes anerkannt. Seine Frau, Elli Hönig (geb. Krieger), heiratete er am 16.12.1950. Ernst Bruno Hönig verstarb im März 1967. Elli Hönig wurde nach seinem Tod von der VdN-Kommission als „Witwe eines Kämpfers“ und VdN-Hinterbliebene anerkannt.

Die Projektgruppe und Künstler Gunter Demnig bei der Stolpersteinverlegung