Ein Stolperstein für Heinz Geidel

An der Oberschule in Leipzig-Liebertwolkwitz startete mit dem Beginn des neuen Schuljahres 2018/2019 ein erstes Stolpersteinprojekt. Ebenso wie die Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl, die im Dritten Reich durch ihre Teilnahme an der  „Weißen Rose“ gegen die Faschisten vorgingen, bereits eine Ehrung durch die Namensgebung „Geschwister-Scholl-Schule“ erhielten, soll in Liebertwolkwitz nun an ein Opfer der Nationalsozialisten durch die Verlegung eines Stolpersteines 2019 gedacht werden.

Begleitet wird eine Gruppe von 24 Schüler*innen der achten Klasse. Neben der Vorstellung geschichtlicher Hintergründe und des Gespräches mit einem Zeitzeugen, das im Dezember stattfand, sollen die Schüler und Schülerinnen anhand des Schicksals einer konkreten Person nachvollziehen, was mit Opfern des nationalsozialistischen Regimes in deren Wohnort passiert ist. Dazu werden die Schüler und Schülerinnen selbst Informationen herausfinden und eine umfassende Biographie rekonstruieren.

Die Recherche erfolgt zu Heinrich Gottlob Heinz Geidel, der Opfer der NS-Euthanasie wurde. Geidel wurde am 10.11.1912 in Leipzig Anger-Crottendorf geboren. 1939 wurde er in Leipzig mit der Begründung, er hätte Schizophrenie, zwangssterilisiert. Nach dem Aufenthalt in mehreren „Landesheilanstalten“ von 1936 bis 1939, wurde Geidel im Februar 1941 letztlich  in die Landesheil- und Pflegeanstalt Waldheim gebracht. Der Grund dafür war, dass er aufgrund von Körperverletzung und Beamtenbeleidigung als gefährlich eingestuft und deshalb in eine „Pflegeanstalt“ untergebracht werden sollte. Bereits einige Monate später, am 24.06.1941, wurde Heinrich Geidel von Waldheim aus in die Tötungsanstalt Hadamar gebracht und dort umgebracht. Hadamar diente als eine von 6 Tötungsanstalten im damaligen Deutschen Reich ab 1940 zur massenweisen Tötung von Menschen im Zuge der NS-Euthanasie. Insgesamt kamen in Hadamar fast 1.500 Menschen zu Tode. Aus der bisherigen Dokumentenrecherche ergab sich, dass Heinrich Geidel damals zuletzt freiwillig in „Störmthal 20“ gelebt haben soll. Mittlerweile ist ist uns bewusst, dass er in der Rödgener Str. 8 in Störmthal lebte.

Das Projekt wird gefördert von der Holger Koppe-Stiftung.