Stolpersteine für Charlotte Rohde, Georg Fritzsche und Ernst Hennig

Mit dem neuen Schuljahr im Herbst 2018 begann auch ein weiteres Stolpersteinprojekt mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Schkeuditz. Bereits das fünfte Mal infolge beginnt nun eine Schülergruppe des Gymnasiums Schkeuditz mit der Recherche zu Opfern des Nationalsozialismus aus Schkeuditz, um darauf basierend Stolpersteine zu verlegen. 15 SchülerInnen der 10. Klasse setzten und setzen sich bis zur Verlegung in diesem Jahr in theoretischer und praktischer Weise mit der NS-Geschichte auseinandersetzen. Nachdem in den letzten Jahren bereits Steine für die verfolgte, jüdische Familie Goldberger, den Kommunisten Kurt Beyer und die Sinti-Familie Laubinger/Steinbach verlegt worden sind und 2018 vier weitere Steine für jüdische Opfer, die dreiköpfige Familie Engelberg und Osias Krumholz, angefertigt worden sind, soll nun drei weiteren Menschen gedacht werden. Da sie alle der Euthanasie zum Opfer fielen, kann mithilfe der neuen Stolpersteinverlegungen  auch eine weitere Opfergruppe beleuchtet werden, die zuvor am Schkeuditzer Gymnasium noch nicht innerhalb eines Jugendprojektes thematisiert wurde.

Aktuell erforschen die Schüler und Schülerinnen, unter anderem, das Schicksal von Charlotte Marie Rohde, Jahrgang 1894. Sie befand sich bereits 1928, vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, in der Universellen Nervenklinik. Tatsächlich hatte sie höchstwahrscheinlich psychische Probleme, der sie sich auch selber bewusst war. Ihr wurde demnach Schizophrenie diagnostiziert. Nachdem sie sich von ihrer Einweisung der Universitätsklinik an in verschiedenen Anstalten befand, ist sie am 14.10.1940 in der Landesheil- und Pflegeanstalt Altscherbitz verstorben. Die offizielle Todesursache lautet dabei „körperlicher Verfall“ – dass dies jedoch ohne Eingriff der Ärzteschaft passiert ist, kann angezweifelt werden. Der Stolperstein für Charlotte Rohde wird in der Weststraße 4 verlegt werden.

Des Weiteren untersucht die Schülergruppe die Lebensumstände von Franz Johannes Georg Fritzsche. Er wurde am 10.10.1902 in Schkeuditz geboren und lebte dort mit seinen Eltern in der Litzmannstraße 11, jetztige Herderstraße. 1924 wurde er in die Landesheil- und Pflegeanstalt Altscherbitz eingewiesen. Das genaue Datum seiner Einlieferung gilt es für die Schüler und Schülerinnen noch herauszufinden. 1941 kam er in der Anstalt zu Tode.

Eigentlich war lediglich die Recherche zu diesen zwei Personen geplant. Erst kürzlich jedoch konnte der Zeitzeuge J. Dietrich dem Verein Informationen zu seinem Großvater mitteilen, der ebenfalls aufgrund der NS-Euthanasie zu Tode gekommen ist. Herr Dietrich wurde 2018 auf das letzte Stolpersteinprojekt des Gymnasiums Schkeuditz aufmerksam, weil er davon in einem LVZ aufmerksam wurde. Darauf meldete er sich beim Erich-Zeigner-Haus e.V. mit der Information, dass sein Großvater im selben Haus wie Osias Krumholz gelebt habe und auch er ein Opfer der Euthanasie gewesen sei. Er kam dann zu der Verlegung des Stolpersteines und konnte Mitgliedern des Vereins dort schon einige Dokumente, die das Schicksal seines Großvaters belegten, aufweisen. Im Oktober 2018 traten Henry Lewkowitz und J. Dietrich erneut in Kontakt um über seinen Großvater Friedrich Ernst Hennig zu sprechen. Herr Dietrich stellte dem Verein für die Recherche mit den SchülerInnen Kopien von Dokumenten, die er selbst auffinden konnte, zur Verfügung. Weil es ihm ein großes Anliegen ist, dass die Geschichte seines Großvaters noch zu seinen Lebzeiten weitergetragen wird, hat sich der Verein dazu entschlossen, die Personenrecherche von Ernst Hennig und damit einen weiteren Stolperstein mit in das SchülerInnenprojekt aufzunehmen.

Friedrich Ernst Hennig befand sich in der Landesheil- und Pflegeanstalt Altscherbitz, wurde am 23.10.1940 von dort aus in die Tötungsanstalt Hadamar deportiert und dort am selben Tag umgebracht. Sein Stolperstein wird später in der Wilhelmstraße 9 in Schkeuditz liegen.

Die Projektgruppe beteiligte sich auch am Stolpersteineputzen am 09.11.2018 in Schkeuditz.

Bis zur Stolpersteinverlegung im Herbst diesen Jahres gehen die Schülerinnen und Schüler des Projektes noch auf Spendensammlung, wozu sie einen Informationsflyer erstellen, und arbeiten bis dahin weiter an Hintergründen zu den drei aus Schkeuditz stammenden Euthanasieopfern.

Das Projekt wird gefördert vom Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ durch den Freistaat Sachsen.

Die Projektgruppe bei der Recherche