Einladung zu zwei Gastvorträgen: Demokratie unter Druck – historische und politische Bildung in der Grundschule

Gerade die aktuellen Auseinandersetzungen um Erinnerungskultur zeigen, dass die Frage, wie und woran gesellschaftlich erinnert wird, keineswegs nur die Vergangenheit betrifft, sondern immer auch gegenwärtige gesellschaftliche Deutungen und demokratische Aushandlungsprozesse berührt. Gesellschaftliche Spannungen, Diskriminierung und demokratiefeindliche Orientierungen zeigen sich im schulischen Alltag und stellen Schulen wie Lehrer*innenbildung vor neue Herausforderungen. Der im August 2026 vorgelegte sächsische Aktionsplan gegen Extremismus an Schulen greift diese Herausforderungen auf und verbindet Maßnahmen der Prävention und Unterstützung mit einer stärkeren Verankerung von Demokratie- und Medienbildung bereits ab Klasse 1. Damit rückt auch die Frage in den Mittelpunkt, wie Schulen und angehende Lehrkräfte darin unterstützt werden können, gesellschaftliche Entwicklungen frühzeitig wahrzunehmen, einzuordnen und professionell zu bearbeiten.

Einen konkreten Einblick in die Situation an sächsischen Grundschulen geben die Ergebnisse einer Erhebung des Erich-Zeigner-Haus e. V. in Kooperation mit dem Arbeitsbereich Sachunterricht Sozialwissenschaften. Die Befunde weisen darauf hin, dass Diskriminierung, menschenfeindliche Äußerungen und demokratiefeindliche Orientierungen im schulischen Alltag möglicherweise häufiger wahrgenommen werden, als sie in offiziellen Erfassungen sichtbar werden. Damit ergeben sich Hinweise auf ein mögliches Dunkelfeld von Vorfällen, zugleich werden deutliche Unterstützungsbedarfe und Fragen nach geeigneten Handlungsmöglichkeiten sichtbar. Gerade für die Grundschule stellt sich dabei die Frage, wie Lehrkräfte professionalisiert werden können, um solche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, fachlich einzuordnen und pädagogisch angemessen zu bearbeiten.

Vor diesem Hintergrund möchten wir herzlich zu zwei Gastvorträgen des Arbeitsbereichs Sachunterricht mit dem Schwerpunkt Sozialwissenschaften im Wintersemester 2026/27 einladen. Die Veranstaltungen verbinden aktuelle Forschung, historisch-politische Bildung und Erfahrungen aus der Zusammenarbeit des Arbeitsbereichs mit dem Erich-Zeigner-Haus e. V. und dem Landesamt für Schule und Bildung. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen als auch die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse gemeinsam mit Praxispartner*innen in konkrete Bildungs- und Unterstützungsangebote für die Grundschule überführt werden können.

Vortrag 1: 22.10.2026
Politische Dimension von Erinnerungskultur in Deutschland

Die Debatte um eine „180-Gradwende in der Erinnerungskultur“, insbesondere von rechts gefordert, trifft auf einen zentralen Aspekt des historischen Bewusstseins der Deutschen. Innerhalb der Bevölkerung lassen sich zwei Tendenzen feststellen: Während der eine Teil an der Ausweitung von Möglichkeiten zur Erinnerung vergangener Ereignisse arbeitet, setzt sich ein anderer Teil für eine Abkehr vom sogenannten „Schuldkult“ ein. Der Vortrag dient dazu, den Teilnehmenden ein authentisches Bild von Erinnerungskultur zu vermitteln, da die heutige Generation zwar nicht für Vergangenes schuldig ist, aber Verantwortung dafür trägt, dass speziell die Verbrechen des Nationalsozialismus und seine Opfer nicht in Vergessenheit geraten. Der Vortrag geht der Frage nach, welche Bedeutung die Erinnerungskultur für die Identitätsbildung einer Nation hat und wie die Mehrheitsbevölkerung zur Erinnerungskultur als Prävention von menschenfeindlichen Einstellungen steht. Das Untersuchen von Parallelen zwischen der Vergangenheit und Gegenwart verdeutlichen dabei die Aktualität und Notwendigkeit dieses Diskurses. Unter Einbeziehung aktueller Studien wird ein Fokus auf Sachsen und durch ein neues Projekt des Erich-Zeigner-Haus e.V. auch ein Ausblick auf die erinnerungskulturelle sowie politische Bildungsarbeit in der Grundschule gelegt, der dann in der Folgeveranstaltung zentral behandelt wird.

Vortrag 2: 29.10.2026
Demokratie unter Druck – welche Rolle spielt die Grundschule?
Forschungsergebnisse, Praxisprojekte und Perspektiven politischer Bildung im Primarbereich

Welche Herausforderungen ergeben sich für Demokratiebildung und diskriminierungskritische Schulentwicklung bereits im Grundschulalter? Und welche Unterstützungsbedarfe zeigen sich aus Sicht pädagogischer Fachkräfte?

Im Gastvortrag werden zentrale Ergebnisse einer aktuellen Befragung von Lehrkräften und Schulsozialarbeiter*innen an sächsischen Grundschulen vorgestellt und mit Erfahrungen aus der Kooperation von Universität Leipzig, Erich-Zeigner-Haus e. V. und Landesamt für Schule und Bildung in Beziehung gesetzt. Im Fokus stehen die Projekte „BÄR – Bildung stärkt Demokratie“ und die Bildungs- und Beratungsstelle HAND für Grundschulen. Die Befunde eröffnen Einblicke in Wahrnehmungen, Herausforderungen und Handlungsspielräume schulischer Praxis und werden mit Fragen der Demokratiebildung, Partizipation sowie Diskriminierungs- und Extremismusprävention verbunden. Erfahrungen aus der Entwicklung eines Handlungsleitfadens zum Umgang mit demokratiefeindlichen und diskriminierenden Vorfällen ergänzen diese Perspektive. Der Gastvortrag versteht sich als Verbindung von empirischer Forschung, Lehrer*innenbildung sowie schulischer und außerschulischer Bildungspraxis und nimmt die Frage in den Blick, wie demokratische Bildung in der Grundschule angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen fachlich fundiert und nachhaltig verankert werden kann

Wir freuen uns sehr, wenn die Veranstaltungen auf Ihr Interesse stoßen, und laden herzlich zum gemeinsamen Austausch ein.