Demokratiearbeit in prekärer Lage

Pressemitteilung – Leipzig, den 07.04.2026

Wegfallende Förderungen vom Bund und dem Land Sachsen stellen sächsische Vereine vor große politische und finanzielle Herausforderungen.

Es erklang Geigen- und Klaviermusik Mitte Februar bei der Wiedereröffnung des Erich-Zeigner-Haus e.V. in Leipzig-Plagwitz. Der gleichnamige Leipziger Verein, dessen Vereinshaus in den vergangenen zwei Jahren umfassend saniert und restauriert wurde, engagiert sich seit seiner Gründung 1999 für die Zivilgesellschaft, insbesondere im ländlichen Raum: In Jugendprojekten setzt der Verein auf historisch-politische Bildung und verlegte in diesem Rahmen in Leipzig und dem Umland seit 2008 über 200 Stolpersteine. Er bietet einen umfassenden Workshopkatalog an, welcher sowohl für Verwaltung und Lehrpersonal als auch für Schulklassen angepasst ist, darüber hinaus fungiert der Verein als Mittler zwischen Politik, Verwaltung und zivilgesellschaftlichen Organisationen und organisiert regelmäßig Veranstaltungen in seinen historisch erhaltenen Räumlichkeiten an.  

Nun stehen gleich mehrere wichtige Projekte des Vereins vor dem Aus. „Die Fördermittelakquise wird in 2026 eine besonders große Herausforderung, da die Fördermittelsituation in Land und Bund mit enormen Unsicherheiten und Absagen verbunden sind“, sagt Henry Lewkowitz, Geschäftsführer des Zeigner-Hauses. In der Förderperiode 2025-2028 wurde dem Verein vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ ein umfassendes Projekt zum Thema Antisemitismus bewilligt. Es soll unter anderem Verwaltung, Lehrpersonal und Polizei mit über 50 Workshops pro Jahr in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu diesem Thema sensibilisieren.

Vergangene Woche stellte die Bundesfamilienministerin Karin Prien Pläne für einen umfassenden Umbau des Förderprogramms vor und kündigte an, zur Mitte der Förderperiode alle 200 geförderten Innovationsprojekte sowie die Projekte zur Errichtung einer bundesweiten Infrastruktur einzustellen.  

Gleichzeitig kürzte auch das Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ die Mittel zum Abbau von Extremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus und streicht vielen sächsischen Initiativen gänzlich die Projektmittel. Über dieses Programm beantragte der Erich-Zeigner-Haus e.V. bei der Sächsischen Aufbaubank finanzielle Mittel zur Durchführung von 8 Stolpersteinprojekten in 8 Kommunen und 4 Landkreisen – dieses Vorhaben wurde vergangene Woche abgelehnt. Jugendliche ab der 8. Klasse sollten in dem Projekt eigenständig Biografien von Menschen recherchieren, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, entrechtet und ermordet wurden. In Ergänzung zum schulischen Geschichtsunterricht sollte diese Zeit des vergangenen Jahrhunderts greifbarer gemacht werden und aus einer unvorstellbaren Zahl von Opfern ein konkretes Schicksal mit einem Namen sichtbar werden. „Diese Ablehnung steht im Gegensatz zu den eigenen Förderrichtlinien dieses Programms“, sagt Raimund Grafe, Vorstandsvorsitzender des Erich-Zeigner-Haus e.V. „Das Programm ist errichtet worden, um extremistischen, rassistischen und antisemitischen Tendenzen entgegenzuwirken, besonders auch im ländlichen Raum, der in dieser Hinsicht immer stiefmütterlich behandelt wird. Nun können wir unsere Arbeit trotz zahlreicher Anfragen dort nicht fortsetzen.“  

Von diesen Streichungen der Fördermittel sind auch viele andere Vereine betroffen, so auch beispielsweise das Ariowitsch-Haus, der Arbeit und Leben e.V. sowie das Antidiskriminierungsbüro Sachsen. In Sachsen sind es insgesamt 23 Organisationen, die allein durch den Umbau des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ zum Jahresende ihre Projektarbeit einstellen müssen und das Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen“ (WOS) genehmigte nur 27 von 80 eingereichten Förderanträgen.  

„In diesen politisch angespannten Zeiten sind wir als Verein nicht bereit, unsere Arbeit einzustellen. Wir sind für den Erhalt und die Gestaltung der Demokratie angetreten und wir werden bleiben“, sagt Raimund Grafe vom Zeigner-Haus. Der Verein ist nun auf alternative Finanzierungsmöglichkeiten angewiesen und hofft durch Spenden zumindest das Workshopangebot für Schulen aufrechterhalten zu können.  

Spendenkonto: 
Empfänger: Erich-Zeigner-Haus e.V. 
IBAN: DE 94 860 555 92 11 002 798 96 
Verwendungszweck: Schulworkshops